Wissen über Diplopoden

Allgemeines

Die Myriapoda sind, nach den Insekten und Spinnentieren, die drittgrößte Tiergruppe mit geschätzten 80.000 Arten. Jedes Jahr werden neue Arten entdeckt, die bis dato noch unbekannt waren.

Der wohl größte Tausendfüßer, der jemals lebte, war, vor 310 Mio. Jahren, der Arthropleura. Er erreichte eine Länge von bis zu 2 Meter und war gute 50 cm breit. Die Tausendfüßer an sich sind aber noch viel älter. Bereits vor 410 Mio. Jahren waren die ersten von ihnen auf unserer Erde unterwegs. Sie zählen somit zu einer der ersten Tiergruppen, die sich an Land fortbewegten. Der größte heute noch lebende Vertreter der Tausendfüßer ist der Archispirostreptus gigas. Mit einer Gesamtlänge von über 30 cm gehört er zu den größten noch lebenden Landarthropoden. Die kleinsten Vertreter werden gerade mal 1mm groß.

Bei der Anpassung an ihren Hauptlebensraum, das Bodenreich, sind jeweils zwei Segmente ihres Körpers miteinander verschmolzen. Diese tragen jeweils zwei Beinpaare und geben dem Körper beim Graben mehr Stabilität.

Obwohl sie Tausendfüßer heißen, haben sie keine 1000 Beine. Die Art mit den wohl meisten Beinen kommt aus Kalifornien und hat beachtliche 750 Stück. An die angeblich eintausend Beine kommt aber auch diese Art nicht heran.

Außer in den Nord- und Südpolregionen findet man Tausendfüßer auf der ganzen Welt verteilt. Sie bewohnen die unterschiedlichsten Lebensräume und ernähren sich hauptsächlich von abgestorbenen Pflanzenteilen, wobei es auch Nahrungsspezialisten unter ihnen gibt. Die meisten Arten leben nachtaktiv und sind recht lichtscheu, einige Arten aber kommen, besonders als adulte Tiere, auch am Tag an die Oberfläche.

Tausendfüßer spielen eine wichtige Rolle für unsere Böden. Sie tragen zu einer besseren Durchlüftung bei, tragen Mineralboden in die oberen Schichten, und zersetzen und mischen in ihrem Darm organisches mit anorganischem Material.

Wir weisen darauf hin, dass Tausendfüßer ein Schleimhaut reizendes Wehrsekret abgeben können.

Sie sollten daher für kleine Kinder unzugänglich aufbewahrt werden!

Haltung

Das richtige Substrat

Enorm wichtig für eine artgerechte Haltung der Tausendfüßer, ist das richtige Substrat. Dies dient den Tieren sowohl als Lebensraum, als auch als Futterquelle und sollte deshalb regelmäßig gewechselt werden, damit immer genug fressbares Material vorhanden ist. Das ist bei normalem Besatz etwa einmal im Jahr der Fall, kann aber, je nach Art und Besatzdichte, variieren. Beim Auswechseln sollte man Fekalpellets aussortieren und noch einige Wochen aufbewahren, da sich darunter noch Eier befinden könnten. Die „Zutaten“ für das Substrat kann man fast alle im heimischen Wald finden. Bei einem Substratwechsel sollte man vorsichtig an die Sache rangehen, da man sonst Gefahr läuft, sich in der Häutung befindende Tiere zu stören.

Die perfekte Zusammensetzung für das Substrat besteht aus:

ungedüngte
Blumenerde

weißfaules
Holz

Waldlaub

Kalk

Sand

Die Mischung besteht aus ungedüngter Blumenerde, Waldlaub, Waldhumus (Eiche, Birke, Buche z.B.), welches organisches Material in unterschiedlichen Zersetzungsgraden enthält und ein paar Händen Sand. Um Die Erde vor dem Einbringen in das Terrarium vor lästigen Asseln, Hundertfüßern und Co. zu befreien, kann man es in einer Plastiktüte über Nacht ins Gefrierfach legen. Das tötet die ungewollten Krabbler ab. Da die Tiere für ihren Panzer auch auf Kalk an gewiesen sind, kann man Vogelsand, Vitakalk (Zoohandel), Eierschalen oder Sepiaschale untermischen. Das Substrat an sich sollte immer feucht sein, nicht nass. Viele Arten haben eine Vorliebe für weißfaules Holz, weshalb man davon auch reichlich unter das Substrat mischen sollte.

Tausendfüßer Substrat könnt ihr hier bei uns bestellen

gehäckseltes Laub könnt ihr hier bei uns bestellen

weißfaules Holz könnt ihr hier bei uns bestellen

Futter

Vorweg ist zu sagen, Tausendfüßer sind in der Natur häufig die Resteverwerter. Sie fressen überwiegend totes organisches Material (sowohl pflanzliches, als auch tierisches) und tragen so maßhaltig zu der Gesunderhaltung unserer Böden bei. Unter den vielen verschiedenen Arten befinden sich aber auch Nahrungsspezialisten. Oftmals reicht den Füßern das richtige Substrat als Nahrung aus, aber auch Zusatzfutter wird gerne angenommen. Hierbei sind ihre Vorlieben von Art zu Art und von Tier zu Tier unterschiedlich. Da heißt es einfach ausprobieren. Eine Liste mit Dingen, die Ihr Euren Füßern bedenkenlos anbieten könnt, haben wir hier für Euch zusammengefasst. Obst und Gemüse, bei dem Ihr Euch nicht sicher seid, ob es mit Pestiziden gespritzt wurde, sollte immer ohne Schale angeboten werden. Schlechte Erfahrungen haben Diplopodenhalter über die Jahre beim verfüttern von Citrusfrüchten und Salaten gemacht, weswegen man diese lieber weglassen sollte.

Futter welches für Tausendfüßer geeignet ist

  • Ananas
  • Äpfel
  • Avocados
  • Bananen
  • Beeren
  • Birnen
  • Eier
  • Fischfutterflocken
  • Flechten
  • Gras
  • Karotten
  • Kartoffeln
  • Keimlinge
  • Kiwis
  • Laub
  • Litschis
  • Mangos
  • Melonen
  • Moos
  • Paprika
  • Pilze
  • Radieschen
  • Salatgurke
  • Sternfrüchte
  • Süßkartoffeln
  • Tomaten
  • Trauben
  • weißfaules Holz

Futter welches für Tausendfüßer nicht geeignet ist

  • Grapefruit
  • Kohl
  • Kohlrabi
  • Limette
  • Orange
  • Zitrone

Diese Liste könnte man nun ewig weiterführen. Im Prinzip kann man aber sagen, dass so ziemlich jede Obst- und Gemüsesorte verfüttert werden kann. Bei Zitrusfrüchten und Kohlarten sollte man aber vorsichtig sein. Dies vertragen die Tiere nivht. Beim Ausprobieren ist es wichtig, nicht gefressenes Futter nach spätestens 2-3 Tagen aus dem Terrarium zu entfernen, da es sonst zu Schimmel kommen kann.​

Ein Wasserschälchen ist, wie jahrelang angenommen, nicht notwendig und kann sogar tödlich für die Tiere sein. Diplopoden nehmen das benötigte Wasser über ihr Futter auf. Bei angebotenen Wasserschalen können die Tiere nicht nur ertrinken, nehmen sie zu viel Wasser auf, so werden wichtige Organismen aus ihrem Darmtrakt gespült, die die Tiere zum verdauen benötigen. 

Terrarium

Beleuchtung

Die meisten Tausendfüßerarten sind dämmerungs- bzw. nachtaktiv. Auf eine zusätzliche Beleuchtung kann daher getrost verzichtet werden. Sie sollten allerdings trotzdem einen Tag-Nacht-Rhythmus mitbekommen. Möchte man seine Terrarien dennoch in schönem Licht erstrahlen lassen, sollte man auf LEDs setzen, da sie das Becken nicht unnötig aufheizen. Natürlich kann man auch eine normale Lampe zum Beleuchten des Beckens nutzen, dann sollte man aber immer die Temperatur darin im Blick haben und im Notfall die Lampe ausstellen. Will man die Tiere nachts beobachten, empfiehlt es sich rote oder blaue LEDs einzusetzen, da die Tiere diese nicht wahrnehmen können und somit nicht gestört werden.

Temperatur

In der Natur kommt die Wärme immer von oben. Das ist auch im Terrarium sehr wichtig. Wenn es den Tieren zu heiß wird, verziehen sie sich instinktiv in die Erde. In der Natur ist es in der Erde deutlich kühler, als auf der Oberfläche und die Tiere können so der Hitze entfliehen. Würde man nun das Becken von unten heizen, würden die Tiere trotzdem versuchen unter der Erde Schutz zu finden. Das hätte fatale Folgen und würde im schlimmsten Fall zum Austrocknen und damit zum Tod des Tieres führen. Die Wärme kann entweder über, auf der Oberseite des Terrariums montierte, Heizmatten oder Heizkabel, oder über Heizlampen eingebracht werden. In beiden Fällen sollte man die Geräte mit Zeitschaltuhren betreiben um ein Überhitzen zu vermeiden. Die einfachste, aber auch teuerste Lösung sind Temperaturfühler, die bei Erreichen der eingestellten Temperatur ab- und bei Sinken unter die Temperatur zuschalten.

Luftfeuchtigkeit

Um die Luftfeuchtigkeit im Terrarium zu erreichen, kann man entweder per Hand sprühen, oder eine Regenanlage installieren. Herkömmliche Regenanlagen sind allerdings meist zu stark und meist auch sehr teuer. Eine Bauanleitung für eine kostengünstigere Variante einer Regenanlage folgt in Kürze. Auch bei der Luftfeuchtigkeit kann man mit Fühlern oder Zeitschaltuhren arbeiten. Hat man sich für die Variante mit Zeitschaltuhr entschieden, sollte man darauf achten, dass diese sekundengenau einstellbar ist, da sonst das Becken sehr schnell versumpft und Staunässe entsteht.

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